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Wege zu einer nachhaltigen Bioenergieversorgung

Interdisziplinäres Forscherteam veröffentlicht praxisbezogene Studienergebnisse

(pug) Mehr als fünf Jahre hat ein interdisziplinär arbeitendes Forscherteam an der Universität Göttingen die Chancen und Risiken der Bioenergie im Kontext einer nachhaltigen Entwicklung untersucht. Die Ergebnisse dieser Forschung wurden nun unter dem Titel „Bioenergie im Spannungsfeld – Wege zu einer nachhaltigen Bioenergieversorgung“ veröffentlicht. Die Untersuchungen zeigen, wie die Produktion und die energetische Nutzung der Biomasse mit den Anforderungen des Klimaschutzes, der Biodiversität, des Landschaftsschutzes sowie der Nahrungsmittelversorgung, aber auch mit ökonomischen Aspekten in Einklang zu bringen sind. Die Forschung stützt sich auf den ländlichen Raum Niedersachsen, stellt jedoch auch Bezüge zur Gesamtsituation in Deutschland her.

Zunächst schätzten die Forscherinnen und Forscher das globale, in Deutschland und in Niedersachsen verfügbare bioenergetische Potenzial ein. Daneben führten sie die Aussagen von Regierungsvertretern zur angestrebten Entwicklung der Bioenergie in Niedersachsen und Deutschland zusammen. Argumente pro und contra Bioenergie, ihre Chancen und Rahmenbedingungen diskutierte das interdisziplinäre Team nicht nur im eigenen Kreis, sondern ergänzte die Befunde auch durch Befragungen und in gemeinsamen Beratungen mit Landwirten und Betrieben in Niedersachsen.

Die Forscher kamen zu dem Ergebnis, dass es für eine erfolgreiche Umsetzung von Bioenergie-Projekten entscheidend ist, dass alle Akteure und Perspektiven in die Planungs- und Entscheidungsprozesse miteinbezogen werden. Deshalb erarbeiteten sie Methoden zur Unterstützung solcher Entscheidungsprozesse und Lösungsansätze zur Minimierung von Problemen auf lokaler wie regionaler Ebene. Sie zeigen Wege auf, wie Energiepflanzen zum Artenreichtum beitragen können, wie verschiedene Akteure konsensorientiert zusammengeführt und Dorfbewohner in Entscheidungen integriert werden können. Zudem beschreiben sie, wie kostenintensive Nahwärmenetze wirtschaftlich betrieben werden können und welche ökonomischen Auswirkungen daraus für die Landwirte und Betriebe resultieren.

„Es ist möglich, auf belasteten Flächen, wie zum Beispiel im Bereich der Oker- oder Innerste-Aue nördlich des Harzes oder entlang der großen Flüsse, Energiepflanzen anzubauen, die nur wenig Schadstoffe aufnehmen. So können diese Flächen wieder genutzt und die Flächenkonkurrenz entlastet werden“, berichtet der Umweltgeowissenschaftler <a name="_GoBack"></a>Prof. Dr. Hans Ruppert vom Interdisziplinären Zentrum für Nachhaltige Entwicklung sowie vom Geowissenschaftlichen Zentrum der Universität Göttingen, der den Forschungsverbund leitete. „Wir zeigen auch, wie Emissionen von Schadstoffen bei der Verbrennung von Holz minimiert werden können, was einen deutlichen Pluspunkt für die Gesundheit darstellt.“

Der Forschungsverbund wurde getragen von verschiedenen Fachrichtungen der Universität Göttingen (Geowissenschaften, Geographie, Produktion und Logistik, Psychologie, Agrarökonomie und rurale Entwicklung), der Universität Hannover (Umweltplanung), dem Helmholtz Zentrum München (Comprehensive Molecular Analytics) und der Hochschule Harz (Wirtschaftswissenschaften) sowie von zahlreichen Mitwirkenden in verschiedenen Landkreisen Niedersachsens. Die Publikation bildet den Abschluss des Verbundvorhabens „Nachhaltige Nutzung von Energie aus Biomasse im Spannungsfeld von Klimaschutz, Landschaft und Gesellschaft", das vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur gefördert wurde.

Originalveröffentlichung: Ruppert, Hans & Ibendorf, Jens (Hrsg., 2017): Bioenergie im Spannungsfeld – Wege zu einer nachhaltigen Bioenergieversorgung. 464 Seiten.

Das Buch kann auf der Seite des Universitätsverlags frei heruntergeladen werden!

 

 





Kontakt:

Prof. Dr. Hans Ruppert

Georg-August-Universität Göttingen

Interdisziplinäres Zentrum für Nachhaltige Entwicklung

& Geowissenschaftliches Zentrum

Goldschmidtstraße 3, 37077 Göttingen

Telefon: (0551) 39-9701

Email: hrupper_AT_gwdg.de